Einige Fundstücke von der Retrotechnica im Forum Fribourg: Clichés, die aus Bulle FR stammen.
Des clichés qui viennent de Bulle FR que j'ai trouvé à la Retrotechnica au Forum Fribourg.
...100% analogique biensûr.
Letterpress ist wie viele Handwerks-Künste sehr zeitaufwändig. Hier versuche ich, einen Überblick über Arbeitsschritte zu geben.
Projekt:
2-farbiger Bierdeckel, Vorderseite 2-farbig, Rückseite 1-farbig (Logo-Schriftzug)
Gedruckt von Clichés und vom Blei (Schrift: Bison)
Auflage: ca. 200 Stück
Vorhanden ist:
Präzise Idee des Designs
Papier
Clichés, Bleilettern
Erster Druck
Papier zuschneiden
Farbe mischen
Form ausschliessen mit dem Vintage-Cliché (Fiat 600 Viotti Coupé, danke an G. fürs Recherchieren :-) )
Maschine vorbereiten (Aufzugdicke gemäss gewünschtem Papier, Papiereinzug gemäss Format, Farbwerk etc.)
Testdrucks, Anpassungen des Drucks, evt. Zurichtung anpassen etc.)
Drucken des Clichés
Vorbereiten Rückseite (Schriftzug www.imprimeuse.ch)
Anpassen Photopolymer-Cliché
Probedrucke Position Rückseite; beachten, dass nachher noch gestanzt wird
Rückseite drucken
Zweiter Druck
Maschine waschen für Farbwechsel
Schrift setzen gemäss gewünschtem Design, Register machen Bilddruck und Textdruck
Testdrucks Textvorlage, diverse Anpassungen betreffend Register; beachten, dass nachher noch gestanzt wird
"Abgequatschte", d.h. uneben druckende Bleilettern austauschen (Unterschied zu sehen auf dem letzten Bild)
Zweite Farbe drucken
Vorbereiten stanzen
Maschine waschen
Farbwalzen entfernen
Aufzug entfernen, Stanzblech einsetzen
Stanzform ausschliessen
Probe-Stanzen, diverse Anpassungen Stanzform. Form anpassen heisst: Form aufschliessen, mit Blindmaterial und Schliesszeug oft nach Augenmass ändern, manchmal mehrmals einige Millimeter…)
Sich die Haare raufen, bis die richtige Position der Stanzform gefunden ist
Auflage stanzen
Prost!
Est-ce que ce lieu charmant va bientôt devenir l'atelier de l'imprimeuse???? Croisez les doigts!
4 Avril 2016
Le bonheur de l'imprimeuse: Elle va poser sa "Grossmutti" à St-Ursanne en juillet.
Kalligraphie - so richtig schön mit Tusche und uralten (Rechthänder-)Federn. Als Linkshänderin gar nicht so einfach. Ein Hauptproblem: Wir Linkshänder "stossen" das Schreibgerät vor uns her, was mit einer Feder nicht funktioniert. Aber es gibt ein paar Tricks... Oder ich steige auf arabische Kalligraphie um...
L'imprimeuse hat aus einem alten Druckereibestand Gold- und Silber-Offsetfarbe bekommen. Im rechten Bild sieht man die Haut, die sich jeweils bildet, um die Farbe u.a. vor dem Austrocknen zu schützen. Die Farbe in der Dose auf dem linken Bild hingegen sieht zwar edel aus, ist aber vollständig ausgetrocknet und nur noch als Kunstobjekt zu verwenden...
l'imprimeuse arbeitet mit voluminösen Naturpapieren (uncoated), somit drucken die Metallicfarben nicht leuchtend auf, da beim Letterpress die Farbe zum einem gewissen Grad vom Papier "aufgesogen" wird. Es gibt jedoch einen matten, edlen "Glanz".
Leuchtend wirds mit der Heissfolienprägung. Da gibts sogar eine extra Gerätschaft für den OHT. L'imprimeuse hat durchaus Expansionsgelüste in diese Richtung :-).
l'imprimeuse als "ABC-Schülerin". Allerlei Schreibgerät, Schriftkataloge aus den 1970ern und 1980ern und die Hände voller Tintenklekse.
l'imprimeuse a (re)decouvert la typo et l'écriture à la main. Plain d'essais et les doigts couvert de taches d'encre...
Es gibt verschiedene Arten von so genannten Klischees. Also die Druckvorlagen, welche in die Maschine gespannt und dann eingefärbt werden.
Holzklischee
Die älteste Form. Oft für Posterdruck verwendet. Die Holzbuchstaben wurden aus Birnbaumholz gefertigt.
Galvano
Zum Beispiel das "Kaffee Sambo", vermute ich mal.
Wie alles beim Buchdruck gab es verschiedenste Klischeearten, welche immer auch ein Abbild ihrer Zeit und technischen Möglichkeiten waren. l'imprimeuse hat noch viel zu lesen....
Photopolymer-Klischee
Zum Beispiel der Oktopus
Das "alte Klischee der Letterpress-Gegenwart". In den 1960er-Jahren (?) hat man Photopolymerklischees hergestellt. Ein Reprofilm wird auf eine unbelichtete photosensitive Vorlage gelegt und mittels UV-Licht belichtet. Dann wird ausgewaschen etc. So entsteht ein seitenverkehrtes Relief, das auf eine Metallbasis kommt, welche dann in die Maschine gespannt wird.
Diese Photopolymer-Klischees werden heute häufig gebraucht von Letterpress-DruckerInnen. Man kann Vorlagen im Illustrator oder von Hand gestalten und dann davon den Film belichten. Neue und alte Technologie vereint.
La ficelle: Sogar der Name dieses Couverts passt zu l'imprimeuse. Endlich ein Briefumschlag, der ein Letterpress-Werk standesgemäss verpackt. DIN C5 in den abgebildeten Farben, schön stabiles Papier.
Dans la casse du (ou de la) typographe, il y a beaucoup de caractères, mais ce qui manque bien sûr, ce sont les symboles qui se sont établis après l'ère de la typographie. Le "@" par exemple. L'imprimeuse s'en est rendu compte la première fois qu'elle a imprimé des cartes de visites :-)... Mais heureusement, le Papiermuseum à Bâle fond encore des caractères en plomb, entre autres l'arobase.
Weiss ist weiss ist weiss? Mitnichten. Es gibt Transparentweiss, Mischweiss und Deckweiss. Welches Weiss ist angesagt, wenns um Pantone-Mischfarben geht? Wird für einen Farbton Weiss benötigt, benutzt man im Offsetdruck in der Regel Transparentweiss. So ist es auch auf dem Farbfächer notiert und berechnet. Im Buchdruck ist Transparentweiss angesagt, wenn mehrere Farben eben transparent überdruckt werden sollen. Das heisst aber auch, dass die Farbe des Papiers mit den Druckfarben interagiert. L'imprimeuse arbeitet lieber mit Misch- oder Deckweiss als mit Transparentweiss. Somit können aber meiner Erfahrung nach die Angaben auf dem Offset-Farbfächer nicht 1:1 übernommen werden können. Pröbeln ist angesagt... Und auf der Maschine sieht die Farbe dann noch einmal ganz anders aus. Und beim Trocknen verändert sich die Farbe je nach Papier wieder... Das definitive Resultat ist also erst zu sehen, wenn das Druckerzeugnis trocken ist. Und mit einer gewissen Abweichung der Farbnuance ist bei Mischfarben zu rechnen.
Fotos des gedruckten und gestanzten Bierdeckels gibts hier zu sehen: https://www.facebook.com/karakter.ch?fref=photo
Danke an die karakter-Equipe für den Auftrag!
L'imprimeuse kriegt von Druckern und Schriftsetzern immer wieder Geschenke - zum Beispiel Winkelhaken, Klischees oder auch Bücher. So habe ich zum Beispiel die oben abgebildete "Buchdrucker-Bibel" in mehreren Ausgaben: von 1939, 1947 und aus den 1960er-Jahren. Wahre Zeitzeugnisse.
In diesen Handbüchern wurde man nicht nur fachlich ausgebildet, es wurde auch moralische Erziehung betrieben. Die Ausgabe von 1939 beginnt mit dem Satz: "Niemand glaube, nach dem Lesen und Durcharbeiten dieses Fachbuches nun ein Buchdrucker zu sein."
Auch die Röschtigraben-Debatte schien damals bereits aktuell zu sein. Im Gegensatz zu heute (?) wurden grosse Anstrengungen unternommen, die Kommunikation zwischen "les Suisses Toto" und Welschen im Fluss zu halten.
Im Kapitel "Übliche deutsch-französische Fachausdrücke" findet der Drucker, also l'imprimeur, überlebenswichtige Sätze wie:
Das Brettregal ist kein Museum / Le séchoir n'est pas un musée
Der Fallschmitz muss weg / Le papillotage doit disparaître
Der Kleister ist schlecht / L'amidon est mauvais
Sie können laufen lassen / Vous pouvez tirer
Das Löschpapier stäubt / Le papier buvard est poussiéreux
Die Luppe gehört mir / Le compte-fil m'appartient
Der Schweizerdegen ist entlassen / L'amphibie a reçu le congé
Es spiesst nicht am Tiegel / Les blancs ne lèvent pas à la platine
Der Versenker ist verloren / Le chasse-clous est perdu
Und wie ist das gedruckt?
Im Buchdruck-Verfahren.
Also Siebdruck?
Nein, Buchdruck.
L'imprimeuse hat sich ganz dem Buchdruck verschrieben. Heute spricht man oft auch von Letterpress. Im Gegensatz zu früher, als das Blei das Papier nur "küssen" durfte, gibt man heute mächtig Druck. So entsteht die leichte Einprägung, welche die Letterpress-Drucke zum Anfassen schön macht. Seit drei Jahren steht der Original Heidelberg Tiegel, kurz OHT, nun in meiner Werkstatt. Es ist eine sehr angenehme Arbeitsbeziehung entstanden, wobei "la Grossmutti" definitiv immer das letzte Wort hat.
An dieser Stelle wirds Einblicke in die Werkstatt geben. Ich freue mich, wenn ihr mitlest, Fragen stellt und Kommentare
abgebt....
l'imprimeuse Letterpress Studio
Atelier typographique
Gestaltung und Buchdruck
Werkstatt/Atelier
Espace Culturel Moulin Grillon
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2882 St-Ursanne
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